Beethoven-Interpretationen von Wilhelm Furtwängler auf Vinyl


Zunehmend werden Einspielungen Wilhelm Furtwänglers auch wieder auf Schallplatte herausgegeben. Zwei exemplarische Beethoven-Interpretationen veröffentlichte Warner Classics, die Nachfolgefirma der EMI. Ludwig van Beethoven war einer der Leitsterne des Dirigenten Wilhelm Furtwängler. Die Symphonien führte er immer wieder mit verschiedenen Orchestern auf. Die Neunte musizierten die Berliner Philharmoniker häufig unter Furtwänglers Leitung. Im Studio nahm er das Werk indes nie auf. Der Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen von 1951 gilt als besonders eindrucksvoll.


Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125
Elisabeth Schwarzkopf, Elisabeth Höngen, Hans Hopf, Otto Edelmann
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
Wilhelm Furtwängler
Warner Classics 190295 895730
2 LP

Beethovens Fünfte Symphonie spielte nicht nur im Repertoire Wilhelm Furtwänglers, sondern in der Geschichte der Musikaufzeichnung eine besondere Rolle. 1913 nahmen die Berliner Philharmoniker mit ihrem damaligen Chefdirigenten Arthur Nikisch das Werk als erste Symphonie für das neue Medium Schallplatte auf. Die sogenannte Schicksalssymphonie begleitete die gesamte Dirigentenkarriere von Wilhelm Furtwängler. Im Frühjahr 1954, wenige Monate vor seinem Tod, entstand im Großen Saal des Wiener Musikvereins mit den Wiener Philharmonikern die Studioproduktion der Fünften.

Beethoven: Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67
Wiener Philharmoniker
Wilhelm Furtwängler
Warner Classics 190295 895723
1 LP

Wilhelm Furtwängler und das Magnetophon


Wilhelm Furtwängler stand Musikaufnahmen skeptisch bis ablehnend gegenüber. Er setzte auf die Gunst der Stunde, auf die lebendige Aufführung im Konzertsaal, brauchte ein Publikum, aber keinen leeren Saal. So sind die meisten Zeugnisse seiner Kunst denn auch keine Studioproduktionen, sondern Mitschnitte von Konzerten. Neben künstlerisch-ästhetischen überlegungen mögen aber auch technische Gründe eine Rolle gespielt haben. Friedrich Engel, von 1975 bis 1996 Anwendungstechniker Magnetband bei der damaligen BASF AG, hat sich intensiv mit der Geschichte der magnetischen Aufzeichnungstechnik befasst und dazu verschiedene Beiträge publiziert. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf ein noch wenig beleuchtetes Kapitel im Leben Wilhelm Furtwänglers: dessen Erfahrungen mit der neuen Technik, die die Musikaufzeichnung revolutionierte. Furtwängler dürfte schon bei seiner ersten Begegnung die Möglichkeiten und Chancen der Magnetband-Tonaufzeichnung erkannt haben.

Wir danken Friedrich Engel für die Genehmigung, seinen Aufsatz hier zu veröffentlichen.

Die Wilhelm-Furtwängler-Gesellschaft freut sich über Meinungsäußerungen zu Friedrich Engels Aufsatz.

Furtwänglers Interpretationskunst
Aufsatz von Henrik Holm


Die Interpretationen Wilhelm Furtwänglers hatten nicht nur große Wirkung auf seine Zeitgenossen, sie beeindrucken auch heute Musikfreunde unterschiedlichen Alters und vermutlich auch noch kommenden Generation. Furtwänglers Aufnahmen vermitteln eindrucksvolle, ja faszinierende Hörerfahrungen, die man nicht einfach in Worte fassen kann. In seinem Aufsatz Die Relationen der Musik hören - Zu Furtwänglers Interpretationskunst geht der norwegische Musikwissenschaftler Henrik Holm der Frage nach, warum Furtwängler immer noch diese bewundernde Wertschätzung erfährt. Er thematisiert Furtwänglers Interpretation von Beethovens neunter Symphonie vor dem Hintergrund seines interpretationsästhetischen Denkens. Sein Ziel ist, "Furtwänglers Interpretationskunst als eine Sache der ästhetischen Erfahrung zu verorten".
Wir danken Dr. Holm für die Genehmigung, seinen Aufsatz hier publik machen zu dürfen. Der Text erschien zuerst in: IZPP - Internationale Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik, Ausgabe 1/2016. Bereits 2015 veröffentlichte Henrik Holm:
Der hörbare Logos in der Musik. Ein philosophischer Versuch über Wilhelm Furtwänglers Interpretationskunst